e enjte, 19 korrik 2007

Buch-Review: Hape Kerkeling – „Ich bin dann mal weg“

In seinem neuen Buch berichtet der deutsche Komiker Hape (Hans-Peter) Kerkeling über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg, die in mehrere Wochen lang quer durch Spanien führte.

Wieso habe ich mir dieses Buch überhaupt zugelegt? Nun, ich bin zwar nicht religiös/gläubig - ganz im Gegenteil - aber die Thematik finde ich trotzdem interessant, nämlich, dass man diese enormen Strapazen wochenlangen Marschierens auf sich nimmt, um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ein zweiter Grund ist, dass ich Kerkeling als Komiker und Mensch schätze, er ist einer der wenigen prominenten deutschen Entertainer die mit Natürlichkeit und einer gewissen Ehrlichkeit überzeugen, abgesehen davon kann ich schlicht und einfach über ihn lachen.

Erwartet habe ich mir daher ein unterhaltsames, teilweise lustiges Buch, dass aber gleichzeitig sehr informativ und vielleicht sogar ein bisschen philosophisch ist. Und um es Vorweg zu nehmen: genau diese Erwartungen wurden praktisch zur Gänze erfüllt.

Kerkeling schildert seine Reise in Form eines Tagebuches den größten Teil der Reise über sehr detailliert. Gegen Ende der Pilgerreise jedoch, geht dieser Hang zum Detail leider verloren, da er – wie er selber sagt - kaum mehr zum Schreiben kommt.

Anfangs berichtet er noch eher trocken (aber nur selten langweilig) über die ersten Etappen seiner Reise, die ihn von Frankreich aus, genauer gesagt beginnend von Saint-Jean-Pied-de-Port, über die Pyrenäen nach Spanien führt. Man merkt, dass er auch erst selber mit dieser doch ungewohnten Situation klarkommen und sich mit ihr anfreunden muss. Leider erfährt man nur wenig über seine Beweggründe, sich nach Santiago de Compostela aufzumachen. Amüsant sind trotzdem seine Wehklagen über die streikenden Beine und wie ehrlich er über seinen Gefühlszustand dabei spricht. Er bezeichnet sich dabei selbst gerne als „Grantler“ und spielt des Öfteren mit dem Gedanken die ganze Sache früh hinzuschmeißen.

Bald lockert er auf und obwohl er einige Etappen mit Bus bzw. Zug zurücklegt, verbessert sich seine Kondition und er schafft es immer leichter sein Tagespensum einzuhalten. Das wirkt sich auch auf das Buch aus, er erlebt teilweise aberwitzige Situationen und versteht es auch sie für den Leser lustig aufzubereiten. Man kommt dann oft seitenweise nicht aus dem Lachen heraus. Insbesondere seine Begegnungen mit anderen – teilweise wirklich durchgeknallten – Pilgern sorgen für Heiterkeit. Er lernt aber auch viele sympathische Weggefährten (hauptsächlich Frauen) kennen, die im die Reise auch sichtlich erleichtern. Zwei davon (eine Engländerin und eine Neuseeländerin) begleiten ihn auch bis zum Ende der Reise.

Man erfährt viel über die durchreisten Städte und Dörfer, es gelingt Kerkeling meist ein sehr plastisches Bild seiner Eindrücke zu schildern. Oft hat man das Gefühl, ihn wirklich bei seiner Reise zu begleiten. Sehr gekonnt mischt er Komik mit Information, Abenteuer und seine eigenen - oft philosophischen – Gedanken. Das sorgt für Abwechslung und es kommt nur ganz selten, und wenn dann nur am ganz am Anfang und Ende des Buches, so etwas wie Langeweile auf.

Keineswegs verpackt Kerkeling allzu viel Autobiographisches in seinen Text. An manchen Stellen erzählt er uns etwas über sein Leben, dann aber meist interessant, passend und ohne es dem Leser aufdrängen zu wollen. Was er uns also „verkaufen“ will, sind seine Eindrücke über die Reise und die Reise selbst aber nicht seine Person an sich. Da könnten sich wohl manche ein Beispiel nehmen. An manchen Stellen driftet er für meinen Geschmack zu sehr ins Religiöse ab (er selbst schreibt sich übrigens hauptsächlich dem Buddhismus zu), das ist bei dieser Thematik aber wahrscheinlich nicht zu vermeiden ;)

Als Fazit bleibt mir aber nur dieses Buch an alle zu empfehlen, die sich nur einen Funken für diese Reise interessieren und die im Idealfall dabei noch viel lachen möchten. Mich selbst hat das Buch jedenfalls auf den Geschmack gebracht, vielleicht probiere ich es ja selber mal!


4,5/5 Punkte

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